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Das West-Nil-Virus erobert
Amerika
In einem überraschend kurzen Zeitraum hat
ein exotisches Virus den amerikanischen Kontinent erobert. Vor
drei Jahren meldete die «New York Times» erstmals, dass drei New
Yorker Opfer des West-Nil-Virus geworden seien. Der Erreger, der
in Afrika und Asien heimisch ist und auch in Europa manchmal
beschränkte Epidemien auslöst, war bis zu dem Zeitpunkt noch
niemals in Nord- oder Südamerika nachgewiesen worden. Anfang
dieses Monats nun kam die Nachricht, dass das Virus die Westküste
erreicht habe: Eine Frau in Los Angeles war an einer
West-Nil-Meningitis erkrankt.
Fast 2000 Menschen sind mittlerweile in
den USA am West-Nil-Fieber erkrankt, über hundert an der Krankheit
gestorben. Hoffnungen, dass die Tropenkrankheit den USA nur einen
kurzen Besuch abstatten wird, haben sich zerschlagen. «West-Nil
ist auf immer hier», bestätigte das staatliche
Center for Disease
Control die nicht aufzuhaltende Landnahme des Virus.
Wie das Virus, das in erster Linie Vögel
infiziert und von Mücken übertragen wird, nach New York geriet,
bleibt reine Spekulation. Doch die Bedingungen, die der Erreger
vorfand, hätten kaum besser sein können: Heisse Sommer und kurze
milde Winter sorgten dafür, dass die Schnakenart, die das Virus am
wirksamsten verbreitet, in den letzten Jahren in ungewöhnlich
hoher Zahl auftrat. Die Mücken pflanzen sich besonders erfolgreich
in stehenden Gewässern fort. Zudem bleiben sie wegen der milden
Herbste länger aktiv und überdauern immer öfter den Winter.
Auch an Vögeln, die für das Virus
anfällig sind, fehlt es nicht. Die in den Städten weit
verbreiteten Krähen sind hervorragende Inkubatoren, und über
hundert weitere Vogelarten dienen dem Erreger als Wirt, darunter
auch mehrere Zugvogelarten. Es gilt nur noch als eine Frage der
Zeit, bis die Krankheit Zentral- und Südamerika erreicht, wo diese
Vögel überwintern.
Für alte und geschwächte Menschen sowie
für Kinder ist das Virus eine erhebliche Bedrohung, doch für den
grössten Teil der Bevölkerung verläuft eine Infektion ohne
jegliche Symptome. Etwa jeder fünfte Infizierte leidet an Fieber,
Kopfweh und Muskelschmerzen, und einer von 150 Erkrankten
entwickelt eine schwere Meningitis oder Enzephalitis. Bisher fünf
Patienten erlitten Lähmungen, wie sie bei der Polio auftreten.
Wegen der symptomlosen Infektionen dürfte die Zahl der Infizierten
weit höher liegen als die gemeldeten Fälle. Eine Überprüfung des
in jüngster Zeit gespendeten Bluts ergab, dass sich allein in
diesem Sommer mindestens 150 000 Amerikaner mit dem Virus
infizierten.
Das West-Nil-Virus wurde erstmals 1937 in
Uganda nachgewiesen. Doch wie andere Infektionskrankheiten in den
armen Regionen der Erde ist die Krankheit bislang von wenig
Interesse für die Medizin gewesen. Das ändert sich, wenn die
Tropenkrankheiten die industrialisierten Länder heimsuchen, wie
die amerikanische Reaktion jetzt zeigt: Washington hat bereits
dreissig Millionen Dollar für die Erforschung und Bekämpfung des
West-Nil-Virus bereitgestellt. |
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Zugvögel |
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Parrots |
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